Im Anschluss an die Laudatio verlieh Bürgermeisterin Ursula Kreutel die Ehrenbürgerwürde an Herrn Linge. Dieser nahm Urkunde und Sachgeschenk mit Freude und Stolz entgegen.
Frau Bürgermeisterin Kreutel drückte auch Frau Linge nochmals ihren Dank aus und überreichte ihr einen Blumenstrauß.
An diese Verleihung reihten sich die Grußworte von Frau Ingeborg Krause-Müller, als Sprecherin der Vereine, des Museumsleiters Bischoff und Herrn Huber vom Oldtimer-Club.
Im Anschluss an die offizielle Verleihung und Übergabe der Urkunde nutzte Herbert Linge die Gelegenheit der Gemeinde Weissach zu danken.
(Die ausführliche Rede ist im Anschluss vollständig abgedruckt).
Sehr verehrte Frau Bürgermeisterin,
liebe anwesende Freunde meines Berufslebens,
sehr geehrte Damen und Herren dieser Feierstunde –
Große Worte zu machen, ist nicht meine Art und viele Worte auch nicht.
Was ich hier zu sagen habe, dafür genügt eigentlich ein halber Satz, nämlich: DANKE, liebe Weissacher Mitbürger!
Je älter man wird, desto mehr kann man sich daran gewöhnen, Titel und Ehrenerweise zu bekommen.
Darauf aber, dass ich Ehrenbürger von Weissach geworden bin –
Darauf darf ich ehrlich stolz sein. –
Ich bin mir bewusst, dass ich die höchste Ehrung erhalten habe die Weissach zu vergeben hat und ich bin dafür besonders dankbar, weil diese Ehrung nicht mir allein gelten kann.
Für mich ist sie weit mehr als eine Anerkennung nur meines persönlichen Wirkens.
Einige Mitstreiter von damals sind zu meiner großen Freude heute anwesend. –
Ich sehe mich geehrt gleichsam stellvertretend für alle die in den vergangenen 50 Jahren dazu beigetragen haben, den guten Ruf des Entwicklungszentrums in der Gemeinde Weissach zu stärken.
Bedürfte es einer Überschrift für meine Lebensbeschreibung, ich wäre mit : „Zur rechten Zeit am richtigen Platz“ einverstanden. –
Mit meiner Berufswahl, „Zur rechten Zeit am richtigen Platz“ wurde noch in Kriegszeiten, April 1943, der Grundstein für mein Berufsleben bei PORSCHE gelegt.
Ich brachte Fleiß und Leidenschaft ein und meine Lehrfirma steuerte – am Kriegsende 1945 belastet durch die katastrophalen Zeiten und eine Zwangsunterbrechung, vorbildlich und zielstrebig in Richtung: „Flaggschiff der deutschen Industrie“ –
So wie ich 1943 einer der ersten Lehrlinge bei PORSCHE war, so wurde ich 1949, als PORSCHE wieder nach Stuttgart zurück kam, in den gemieteten Hallen des Karosseriebauers Reutter, der erste Mechaniker des Neubeginns.
Gefühlsmäßig jedoch war ich nie weg von der Firma. –
Für einen Automobilhersteller, der sich auch dem Rennsport verschrieben hat, ist eine Testrecke unabdingbar. Hierzu musste in den Nachkriegsjahren zunächst das noch einseitig gesperrte Teilstück der Autobahn zwischen Engelberg-Tunnel und Ditzingen, sowie der Flugplatz Malmsheim herhalten. Dort machte ich die ersten Versuchsfahrten. –
Die Entscheidung, eine Versuchsstrecke zu bauen, reifte heran und wurde sorgsam geplant. –
Die Episode, die uns hier und heute zusammenführt, kann wiederum mit der Überschrift: „Zur rechten Zeit am richtigen Platz“ versehen werden. –
In seiner Laudatio hat Herr Volker Kühnemann treffend alles gesagt, was dazu gesagt werden muss und wie es zu der Versuchsstrecke und dem Entwicklungszentrum in Weissach kam und warum Weissach als Synonym für das PORSCHE-Entwicklungszentrum und damit für das wohl führende Entwicklungszentrum der Automobilindustrie weltweit steht. –
In diesem Zusammenhang darf auch unser damaliger Entwicklungschef Herr Ferdinand Piech nicht unerwähnt bleiben. –
Ich durfte damals bei der Entscheidungsfindung dabei sein, weil ich zu diesem Zeitpunkt bereits durch meine Erfahrung von 1952 bis 1956 in den USA, in der Schweiz und im Libanon als Kundenbetreuer sowie als Testfahrer und ab 1954 durch Rennen und Internationale Rallyes bei der Firmenleitung großes Ansehen genoss und meine Meinung gefragt war. –
Die weitere Entwicklung dieser denkwürdigen Zeit erspare ich mir und Ihnen, um mein eingangs erwähntes Versprechen, dass ich nicht viele Worte mache, einzulösen. ---
Ich bedanke mich abschließend für die hohe Ehrung, die mir zuteil geworden ist und für die wohlwollenden Ansprachen insgesamt und besonders bei Herrn Volker Kühnemann, der sich für die Ausarbeitung seiner Laudatio viel Mühe gemacht hat. Ich habe das Lob gerne gehört. –
An sich würde das schwäbische Unterstatement nunmehr von mir verlangen, dass ich sage: „Das stimmt so alles nicht, das habe ich nicht verdient“—
Aber um nicht in den Verdacht der Heuchelei zu kommen noch mehr Lob zu erwarten, verzichte ich auf diese Aussage. –
Ich gestehe Ihnen allen, dass ich, obgleich von Hause aus ein nüchterner Schwabe, Stolz empfinde, auch weil ich mich, stellvertretend für meine Firmenleitung von damals, geehrt fühle.
Ich bin Ehrenbürger von Weissach auch im Angedenken an Ferry Porsche – Chislaine Kaes – und Helmut Bott. –
Mein besonderer Dank gilt heute auch meiner Frau Lieselotte, die alle Erschwernisse die mein bewegtes und nicht immer ungefährliches Berufsleben mit sich brachte, mit großem Verständnis ertragen hat. –
Als Schlussbemerkung halten wir es mit Goethe:
„Der Worte sind genug gewechselt – lasst mich auch endlich Taten sehn“.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Im Anschluss daran wurden nach einem Musikstück der Bourbon Street Ramblers die anwesenden Gäste zu einem festlichen Buffet mit gemütlichem Beisammensein eingeladen.
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