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Baustelle Alte Strickwarenfabrik
Momentan präsentiert sich die Alte Strickwarenfabrik (SWF) Weissach als ein mit Holzbalken gestütztes Backsteinskelett, umgeben von einem Bauzaun. Dahinter herrscht seit Frühjahr diesen Jahres rege Bautätigkeit. Ein modernes Jugend- und Vereinszentrum ist im Entstehen.
Auf Einladung von Bürgermeisterin Ursula Kreutel informierten sich am Freitagnachmittag, 8. Dezember, Gemeinderäte und Mitarbeitern der Verwaltung gemeinsam mit Anwohnern bei einem Baustellenrundgang mit dem Architekten Hansulrich Benz und seinen Mitarbeitern hautnah über den Stand der Sanierung.



„Gern kommen wir dem erklärten Wunsch der Nachbarschaft nach, was sie täglich von Außen beobachten können auch einmal von Innen zu sehen“, begrüßte Bürgermeisterin Kreutel die mehr als 35 Anwesenden im Foyer des SWF- Verwaltungsneubaus in der Bahnhofstraße 34.
Drei Gruppen mit jeweils bis zu 12 Teilnehmern vermittelten die Mitarbeiter des Architektenbüros Benz einen nachhaltigen Eindruck vom Umfang des Projekts und seiner anspruchsvollen Architektur.
„In dieser Hülle entsteht ein komplett neues Gebäude“, erläuterte Architekt Benz. Dessen Statik sei vollkommen unabhängig von der zu erhaltenden historischen Backsteinfassade. Derzeit gießt die Weissacher Firma Essig das neue Fundament, in dem sich der Kanal für die komplette technische Hauptversorgungsleitung für Medien, Strom und Datenleitungen befindet. Dadurch entsteht auf Höhe Bahnhofstraße ein voll nutzbares Erdgeschoss für Lager-, Sanitär- und Technikräume sowie eine Werkstatt für die VHS.

Die Rohbauarbeiten der Tiefgarage, die aufgrund der Hanglage des Areals auf gleicher Höhe mit dem Erdgeschoss liegt und 58 Parkplätze bietet, sind zu 75 Prozent abgeschlossen. Schallabsorber, so genannte „Sauerkrautplatten“, garantieren der Nachbarschaft optimalen Schallschutz.
Weiter führte der Rundgang über eine schmale Holztreppe hinauf auf das „Dach“ der Tiefgarage, wo 21 Carportstellplätze entstehen. Gleich daneben wird eine gläserne Erschließungsspange mit Treppenaufgängen, Fahrstühlen, Foyer und Garderoben den Blick auf die Südfassade des zweistöckigen Hauptgebäudes ermöglichen. „Nachts sieht dann die beleuchtete alte Fassade durch das Glas durch“, so Architekt Benz. Momentan stehen die Grundmauern der Spange, auf deren begrünten Flachdach dann Sonnenkollektoren installiert sein werden.



Die Frage nach den hohen Sanierungskosten beantwortete Gemeinderat Edmund Bernt (SPD): „Aller Unkenrufen, wir würden das Geld zum Fenster hinaus werfen, zum Trotz behaupte ich, dass sich die Gemeinde zum richtigen Zeitpunkt zum Bau dieses Schmuckstückes durchgerungen hat.“ Der stellvertretende Bürgermeister Volker Kühnemann (FWV) ergänzte: „Für jeden ausgegebenen Euro erhalten wir 60 Cent als Förderung vom Land zurück.“ Beide sind sich einig, hier entstehe ein multifunktionales Gebäude, dessen historische Fabrikfassade den Eintritt des bäuerlichen Weissachs ins Zeitalter der Industrialisierung symbolisiert.


Anwohner, Verwaltung, Gemeinderäte und Mitarbeiter des Architekturbüros Benz vertieften anschließend im Gemeinschaftsraum des SWF-Neubaus ihre Eindrücke und kamen miteinander ins Gespräch. „Im Tannenweg liegen alle Schlaf- und Kinderzimmer auf der Nordseite direkt gegenüber dem Gebäude“, gab ein Anwohner zu bedenken. Hansulrich Benz versicherte, dass ein entsprechender Schallschutz von Tiefgarage und Gebäude zum Standard gehören.

Es war einmal vor 100 Jahren
Aus dem Protokoll der Ortsbauschau, Weissach, 26. Mai 1906:
„Vor Genehmigung des Bauwesens des Fabrikanten Kern, Stuttgart darf bei Strafandrohung nicht gebaut werden. Das Fabrikgebäude wird zwei, teils 1½stockig - 32,2 Meter lang - 9,9Meter breit und 6,2 Meter hoch. Es liegt an der Heimerdinger-, Eberdinger Straße, nächst dem Bahnhof, etwa 250 Meter von Dorfettter entfernt“,
Quelle: Willy Schray, Aus der Anfangszeit der Strickfabrik Weissach, undatiertes Schriftstück
geschrieben am 10.01.2008 um 08:32 Uhr.