
Es soll eine nachhaltige Hilfe zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur auf Nias sein, darauf einigte sich die „Koordinationsrunde“, zu der Landrat Bernhard Maier am 17. Januar 2005 ins Böblinger Landratsamt eingeladen hatte. „Unser Engagement zielt darauf ab, den Menschen auf der von der Flutkatastrophe besonders stark betroffenen indonesischen Insel Nias ein Leben aus eigener Kraft zu ermöglichen“, sagte der Landrat. „Wir wollen im Rahmen unserer kommunalen Aktion nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe leisten, für Soforthilfe ist über die großen Hilfsorganisationen gesorgt“.
Die indonesische Insel Nias liegt etwa 125 Kilometer westlich vor Sumatra, südlich der mit am schwersten betroffenen Region Aceh und damit in unmittelbarer Nähe des Epizentrums des schweren Seebebens, das am 26. Dezember 2004 eine zerstörerische Flutwelle ausgelöst hat. Wenige Tage nach dieser Naturkatastrophe riefen Landrat, Oberbürgermeister und Bürgermeister aus dem Landkreis zu einer Spendenaktion auf und baten die Bevölkerung um Unterstützung für die Flutopfer auf Nias. „Allen Spendern, Initiatoren von Benefizveranstaltungen und Multiplikatoren für die gute Sache gelten unser Dank und Anerkennung“, betonte der Landrat. „Diese beispielhaften Initiativen verdienen Unterstützung und sollten weitergeführt werden“.
In der „Koordinationsrunde Nias“, der Landrat Bernhard Maier, die Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer (Sindelfingen), Alexander Vogelgsang (Böblingen), Bernhard Schuler (Leonberg) und der Vorsitzende des Kreisverbandes Böblingen im Gemeindetag Baden-Württemberg Bürgermeister Wilfried Dölker (Holzgerlingen) und Thomas Sprißler (Mötzingen) sowie der Böblinger Dekan Bernd Liebendörfer und Kreiskämmerer Arta Dittmar angehören, verständigte man sich darauf, ein Sofortprojekt über TRTF (Tsunami Relief Task Force) zu unterstützen und über örtliche Träger gezielte Projekte zum Wiederaufbau zu fördern. TRTF ist ein Konsortium der Hilfsorganisationen für Nias, das aus kirchlichen Organisationen und anderen nicht staatlichen Hilfsorganisationen besteht. TRTF organisiert Hilfszentren, verteilt Hilfsgüter, arbeitet mit freiwilligen Helfern vor Ort und ist, so die Leiterin der Katastrophenhilfe des Nationalen Kirchenrats Indonesiens (PGI), Pfarrerin Joyce Manarisip, in der Lage, langfristige Wiederaufbau- und Entwicklungsprogramme durchzuführen. Pfarrerin Manarisip hat zur Gründung des TRTF wesentlich beigetragen, ist mit der Katastrophenhilfe des PGI unmittelbar daran beteiligt und hält den Kontakt nach Böblingen über Dekan Liebendörfer aufrecht. So erfahren die Aktionspartner aus dem Kreis aus erster Hand „wo Hilfe am dringendsten gebraucht wird“.
Mittelfristig und schwerpunktmäßig will die „Koordinationsrunde“ Infrastrukturmaßnahmen auf Nias über örtliche Träger unterstützen und konkrete Projekte definieren und begleiten, um möglichst direkt und nachhaltig helfen zu können. „Damit unsere Bürgerinnen und Bürger wissen, was mit ihrem Geld geschieht“, so der Landrat. Noch laufen die Recherchen und die Kontaktaufnahmen, wobei sich bereits abzeichne, dass ein gangbarer Weg, der über die Kirchen sei, die vor Ort tätig sind. Hier ist man sowohl mit der Katholischen als auch der Evangelischen Kirche im Gespräch. „Die Qualität des Projekts ist uns wichtiger als eine schnelle Festlegung“, so die Initiatoren der Hilfe für Nias, die betonen, dass sich die Hilfe an der Not der Menschen auf der indonesischen Insel orientiert und unabhängig von Religion, Herkunft und Nationalität sei. Aus den Informationen, die bislang über die Situation auf Nias zu bekommen waren, sind folgende Projekte denkbar:
Wiederaufbau von Wohnhäusern:
Zahlreiche Wohnhäuser auf Nias wurden beschädigt. Der Wiederaufbau könnte unterstützt werden.
Trinkwasserversorgung:
Die Trinkwasserbrunnen in der Küstenregion sind zum großen Teil unbrauchbar geworden. Sie sind durch das Meerwasser versalzt. Für rund 15.000 Einwohner muss deshalb die Trinkwasserversorgung wieder gesichert werden.
Einrichtung für Waisen:
Um den Kindern, die durch die Flutkatastrophe ihre Eltern verloren haben, ein Heim zu bieten, könnte der Bau und anfängliche Unterhalt eines Waisenheims ins Auge gefasst werden.
Existenzsicherung:
Neben der Wiederbeschaffung von Fischerbooten ist auch die Wiederbeschaffung der zum überwiegend im Fischfang eingesetzten Reusen (Fischfangkörbe) notwendig. Als nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe kommt auch die Wiederherstellung oder Neuanlage der notwendigen Felder in Betracht, damit die Menschen in Zukunft wieder selbst für ihre Nahrung sorgen können.
Der Landkreis Böblingen hat bei der Kreissparkasse Böblingen ein Spendenkonto eingerichtet:
Konto-Nr. 220 250 001, Bankleitzahl 603 501 30, Stichwort „Hilfe für Nias“
Die Spender werden gebeten, ihre Adresse auf dem Überweisungsträger anzugeben, damit der Landkreis eine Spendenbescheinigung ausstellen kann.
Infos zu Nias:
Nias liegt im Westen Sumatras im Indischen Ozean, 125 Kilometer vor dem Festland. Die Insel ist etwa 125 Kilometer lang und 40 Kilometer breit. Nias ist unmittelbar der Region Banda Aceh benachbart, die mit am schwersten von der Katastrophe betroffen ist und die auch einen Schwerpunkt der Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung bildet. Nias zählt etwa 650.000 Einwohner (Niha und eingewanderte Batak, Chinesen, Acehnesen und Ninangkabau). Die Infrastruktur ist schlecht. Um 60 Kilometer zurückzulegen, benötigt man wegen des schlechten Straßenzustands mit dem Auto etwa vier Stunden.
Information:
www.niasisland.com
geschrieben von der Pressestelle des Landratsamtes am 24.01.2005 um 08:35 Uhr.