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Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das Jahr 2004 geht mit großen Schritten zu Ende und die Weihnachtsfeiertage stehen bevor. In der Hektik der Vorweihnachtszeit freuen wir uns alle darauf, in den kommenden Tagen einmal auszuspannen, im Kreise der Familie zu sein und die Weihnachtsbotschaft auf uns wirken zu lassen. „Sei ruhig inmitten Lärm und Hast und bedenke, welch ein Segen in der Stille liegen kann“, diese Botschaft der „Desiderata“ aus der St. Pauls Kirche in Baltimore von 1692 hat auch heute an Bedeutung und Aussagekraft nichts verloren.

Viele von uns werden das Weihnachtsfest nicht unbeschwert feiern. Denn die Sorgen um den Arbeitsplatz, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft oder die Berufschancen für junge Menschen nehmen wir mit in das neue Jahr.

Besonders betroffen gemacht haben mich in diesem Jahr vor allem die Entwicklungen im Kinder- und Jugendhilfebereich. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen machen sich besonders hier bemerkbar, die Jugendhilfe wird auch im Jahr 2005 wieder einen großen Ausgabenblock im Bereich unserer Sozialleistungen darstellen. Kinder und Jugendliche gehören zu den Hauptleidtragenden, wenn Familien in eine finanzielle Notlage geraten. Eltern brauchen immer häufiger unterstützende Angebote für die Erziehung ihrer Kinder. Deshalb haben wir in diesem Jahr begonnen, die Jugendhilfeangebote im Kreis zu regionalisieren, in die Städte und Gemeinden zu tragen und somit vor Ort zu bündeln, damit den jungen Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld geholfen werden kann. Auch mit Angeboten zur intensiveren Familienarbeit, zur Unterstützung der Erziehungsfähigkeit der Eltern, wie beispielsweise Kurse für Eltern, deren Kinder Jugendhilfe erhalten, versuchen wir, den Familien neue Perspektiven aufzuzeigen.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind nur schwer zu beeinflussen, am besten hilft hier die gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Vielleicht können wir Weihnachten 2004 zum Anlass nehmen, den Blick wieder für unser nächstes Umfeld, die Familie und besonders junge Menschen in unserem Bekanntenkreis zu öffnen. Die Zukunft unserer Gesellschaft wird auch davon abhängen, ob es uns besser gelingt, die junge Generation aus unserer Mitte heraus zu befähigen, die Zukunftschancen zu nutzen. Gerade die Weihnachtsbotschaft kann uns Impulse geben, den Werten Nächstenliebe, Freude, Hoffnung und Mitmenschlichkeit, wieder mehr Bedeutung beizumessen und dadurch auch für uns selbst neue Kraft für die Bewältigung der Alltagsprobleme zu schöpfen.

Viele Menschen in unserem Landkreis sind in diesem Sinne von sich aus oder im Ehrenamt tätig. Hier wird maßgeblich über die soziale und menschliche Qualität unseres Gemeinwesens entschieden. Auch in diesem Jahr haben sich wieder viele Bürgerinnen und Bürger im Landkreis in kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Gruppen und Initiativen dafür eingesetzt, dass bei uns weiterhin Werte wie Toleranz und Solidarität gelebt werden. Dies wird umso wertvoller, je mehr wir erkennen, dass Staat und Kommunen in Zeiten schwieriger Finanzlagen eben nicht mehr für alle Wechselfälle des Lebens eintreten können.

Mein Dank gilt deshalb all jenen, die sich im zu Neige gehenden Jahr für ihre Mitmenschen eingesetzt und durch ihr Handeln und ihren persönlichen Einsatz dazu beigetragen haben, dass unsere Welt ein Stück menschlicher und wärmer wird.

Ich wünsche Ihnen besinnliche Feiertage, einen gelungenen Start in das neue Jahr und für die Zukunft alles erdenklich Gute.

Herzlichst
Ihr

Bernhard Maier
Landrat
geschrieben von Landrat Bernhard Maier am 13.12.2004 um 13:31 Uhr.