Energie die aus der Tiefe kommt:
Balance zwischen ökologischer Energieversorgung und Grundwasserschutz
Kreis Böblingen: Bei den Tiefenbohrungen ist ein Höhenflug zu verzeichnen. Das Landratsamt Böblingen, Wasserwirtschaftsamt, konnte im ersten Halbjahr 2005 schon neun Erdwärmesondenanlagen genehmigen, das sind jetzt bereits so viel wie im ganzen letzten Jahr. Für Umweltdezernent Wolf Eisenmann ein erfreulicher ökologischer Beitrag zur Nutzung regenerativer Energien, der sich zudem in Euro und Cent lohnt: „Wie bei keiner anderen Form der regenerativen Energienutzung verbinden sich hier Ökologie und Ökonomie. Wer auf Erdwärme setzt, spart gegenüber dem Einsatz fossiler Energieträger Geld. Erdwärmesondenanlagen können daher eine attraktive Alternative für manche Häuslesbauer sein, die eine neue Heizung brauchen“.
Neben etwas mehr Strom als bei herkömmlichen Heizsystemen brauchen solche Anlagen nur Erdwärme. Die Erdwärme wird über ein Wärmeträgermedium in den Erdwärmesonden einer Wärmepumpe zugeführt. Von dort steht die gewonnene geothermische Energie zur Gebäudebeheizung (Niedertemperaturheizung) zur Verfügung. Die Erdwärme zählt zu den regenerativen Energien und passt daher gut zu einer ökologisch ausgerichteten Energieversorgung.
Das Landratsamt Böblingen weist darauf hin, dass für die Installation von Erdwärmesonden eine Genehmigung des Wasserwirtschaftsamtes erforderlich ist. In vielen Gemeinden des Landkreises Böblingen besteht eine erfolgreiche Aussicht auf eine Genehmigung. Keine Genehmigungsmöglichkeit haben jedoch Vorhaben, die in einem Wasserschutzgebiet liegen. „Erdsondenbohrungen erreichen zunehmend Tiefen von über 100 Meter. Sie können in unserem hydrogeologisch sensiblen Gebiet das Grundwasser so stark beeinträchtigen, dass die Trinkwassergewinnung gefährdet wird. In Wasserschutzgebieten sind daher keine Erdwärmesonden zulässig“, informiert Kurt Knöller, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. Hiervon betroffen sind die Gemeinden Bondorf, Deckenpfronn, Gäufelden, Jettingen, Mötzingen und Nufringen.
In einigen Gemeinden ist der Bau von Erdwärmesonden fraglich. Hier muss im Einzelfall vom Wasserwirtschaftsamt geprüft werden, ob und wenn ja, unter welchen Umständen mit zusätzlichen Auflagen und Kosten Erdwärmesonden gebaut werden können oder nicht. Dies gilt insbesondere für Anträge aus den Gemeinden Aidlingen, Gärtringen, Herrenberg, Sindelfingen und Weissach.
Im Landkreis Böblingen sind zum Schutz des Grundwassers rd. 24.000 Hektar als Wasserschutzgebiete ausgewiesen, dies sind ca. 40 % der Landkreisfläche. Darüber hinaus sind im nördlichen Kreisgebiet große Flächen zum Schutz der Stuttgarter Heilquellen vom Regierungspräsidium Stuttgart unter besonderen Schutz gestellt worden. Bei der Balance zwischen ökologischer Energieversorgung und einer gesicherten Trinkwasserversorgung legt das Land Baden-Württemberg in seinem neuen „Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden“ eindeutig den Schwerpunkt auf die Lebensressource Grundwasser. Trotz dieser Einschränkungen zum vorsorgenden Grundwasserschutz und damit der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung konnte mit neun in diesem Jahr im Landkreis Böblingen genehmigten Erdwärmesondenanlagen ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.
Mehr zum Thema Erdwärme finden Sie im Internet, unter
www.landkreis-boeblingen.de / Rubrik „Das Landratsamt“, hier unter Wasser-Boden-Altlasten / Grundwasser oder auf der Homepage des Umweltministerium Baden-Württemberg im neuen „Leitfaden zur Nutzung von Erdwärme mit Erdwärmesonden“.
geschrieben von der Pressestelle des Landratsamtes Böblingen am 29.08.2005 um 09:02 Uhr.