
Ein Ort, an dem ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger heimisch werden und sich wohlfühlen können: So präsentierte sich das Otto-Mörike-Stift am vergangenen Wochenende bei seiner Einweihung. Drei Tage lang hatten die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Weissach die Möglichkeit, sich die Räume des neuen Pflegeheims und des Betreuten Wohnens anzusehen. Viele sind der Einladung von Bürgermeister Reinhard Riesch, der KommBau Weissach und der Samariterstiftung gefolgt. Beim feierlichen Festakt am Freitag, den 15. Juli, würdigten die Redner das Otto-Mörike-Stift als großzügig angelegtes, modernes, schönes Bauwerk.
Die Posaunenchöre aus Weissach und Flacht begleiteten an diesem heißen Nachmittag die Festveranstaltung, bei der die Gäste in der Zufahrt zum Heim unter Zelten und Schirmen saßen. Jürgen Troll, Geschäftsführer der KommBau, die das Otto-Mörike-Stift in eigener Verantwortung und Rechnung erbaut hat, erklärte, dass „hier mehr als ein Pflegeheim entstanden ist“. Mit einem Bauvolumen von 25 000 Kubikmetern und einer Grundfläche von 4700 Quadratmetern stünden die Besucher vor dem größten Gebäude, das es in der Gemeinde Weissach je gegeben habe, von den Bauwerken auf dem Porsche-Gelände einmal abgesehen. „Wir sichern damit Arbeitsplätze vor Ort“, sagte Troll.
Nach der Begrüßung aller Gäste und Ehrengäste erinnerte Bürgermeister Reinhard Riesch an den Namensgeber Otto Mörike, dessen Töchter Magdalene Rieck und Dora Metzger sowie dessen Sohn Frieder Mörike ebenfalls zur Einweihung gekommen waren: Mörike, der in den Kriegsjahren in Flacht Pfarrer war, hatte verfolgte Juden beherbergt. „Mörike und seine Familie haben damals in Flacht eine Heimat gefunden. Ums Heimisch-Werden geht's auch hier im Otto-Mörike-Stift.“ Mit Bedacht sei etwa der Ausblick zur Kirche geplant, der den Bewohnern aus dem Ort einen Bezugspunkt zu ihrem Heimatdorf gebe. Als ein Dienstleistungszentrum lobte Riesch das Seniorenwohnheim, in dem auch Bürgertreff, Sozialstation, Nachbarschaftshilfe und die Praxis für Physiotherapie untergebracht sind. Mit dem Pflegeheim sei Weissach nun für den demographischen Wandel, der unserer Gesellschaft bevorstehe, gerüstet. Denn in wenigen Jahren werde jeder dritte Mitbürger älter als 60 Jahre sein. Der Bürgermeister freute sich nicht nur, dass Pflegeheim und Betreutes Wohnen unter der Regie von Architekt Hansjörk Schneck wunderschön, hell und freundlich geworden sind. Sondern auch über die Samariterstiftung und den Freundeskreis Rosa-Körner und Otto-Mörike-Stift als Partner, die Wert auf den zwischenmenschlichen Umgang legten. „Diese gelungene Kooperation beugt der Vereinsamung vor, die viele ältere Menschen beklagen, sobald sie nur noch eingeschränkt mobil sind.“
Dass es im Landkreis keine Gemeinde gebe, die eine solch dynamische Entwicklung vorzuweisen habe wie Weissach, hob Landrat Bernhard Maier hervor. “Hier schiebt die Wirtschaftskraft die Aktivitäten der öffentlichen Hand an.“ Da im Jahr 2020 zum Landkreis doppelt so viele 75-Jährige gehören werden wie heute, strebe die Kreisverwaltung in jedem Ort ein Pflegeheim an. Das bringe auch den Vorteil mit sich, dass die Menschen beim Umzug ins Pflegeheim nicht in die große Kreisstadt oder in den Schwarzwald müssten und so ihre sozialen Kontakte aufrecht erhalten könnten. Als Geschenk überreichte er eine aus alten Hacken zusammengesetzte Skulptur des Flachter Künstlers Fero Freymark. Sie erinnere an die steinigen Böden in Weissach und Flacht, die mancher Wohnheimbewohner gut kenne.
Architekt Hansjörk Schneck lobte die gute Zusammenarbeit beim Bau und dankte allen Mitwirkenden. Um den Gebäudekomplex sanft in die Landschaft einzubetten, habe er die Höhe der Ziegeldächer am Ortsrand aufgegriffen und das Gebäude in die schönen Auen auslaufen lassen. Als Architekt überreichte er nicht nur symbolisch den Schlüssel, sondern brachte als Geschenk auch ein Klavier mit, dessen Klang Pieter Schrader aus Flacht bei einem kleinen Musikstück vorstellte.
Die Bewohner im Pflegeheim rückte Dr. Hartmut Fritz, Vorstandsvorsitzender der Samariterstiftung, in den Blick: „Sie sollen, wenn sie ihr eigenes Zuhause aufgeben, das Gefühl haben, dass sie nicht ausgegrenzt sind, sondern dazugehören.“ Otto Mörike sei dabei nicht bloß als historische Figur zu sehen, sondern auch als aktuelles und zukunftsweisendes Programm: „Heute braucht es nach wie vor den Einsatz, dass wir uns das Leben zur Heimat machen.“
Auch Ingeborg Krause-Müller brachte als Vertreterin der Vereine den Hausbewohnern ein Geschenk mit: das Bild „Morgenstimmung in Streuobstwiesen“ von Ingemar Lah. Sie wünschte den Hausbewohnern alles Gute für die Zukunft.
An die Bedeutung des Kreuzes, das auch im Andachtsraum im Pflegebereich ins Fenster eingearbeitet ist, erinnerte Pfarrer Edgar Kollmar, bevor er den Ökumenischen Segen erteilte: Das Kreuz sei das Symbol für Jesus und dessen Auferstehung. Kollmar, der im Herbst nach 15 Jahren die Flachter Kirchengemeinde verlassen wird, habe als Vorsitzender des Freundeskreises „den Zug auf die Geleise setzen wollen, und der Zug fährt jetzt mit Volldampf“.
Herr Wenning überreichte im Anschluss ein Kunstwerk mit dem Titel „Helfende Hände“, das zwei ineinander greifende Hände zeigt. Er hatte dazu ein Holzstück verwendet, das von dem Nussbaum stammte, der auf dem Gelände stand, wo jetzt das Otto-Mörike-Stift erbaut wurde.
Während der Freundeskreis am Freitag die zahlreichen Besucher bewirtete, unterhielten die Kinder der Villa Kunterbunt nach dem offiziellen Teil des Festakts mit Indianertänzen. „Tierische Lieder“ des Weisscher Schulchors und fetzige Tänze der Turnerinnen des TSV Weissach unter der Leitung von Elisabeth Frick begleiteten die lockere Stimmung unter den Gästen. Wohl koordinierter Volkstanz der Seniorentanzgruppe Weissach und Flacht beendete das Festprogramm.
Wer sich die Zimmer und Wohnungen im Otto-Mörike-Stift genauer anschauen wollte, hatte am Freitag wie während des gesamten Wochenendes bei den zahlreichen Führungen Gelegenheit dazu. Frau Wenning und Herr Breuninger, Mitarbeiter Samariterstiftung, Herr Troll, Geschäftsführer der KommBau Weissach und Projektsteuerer Herr Gohl führten durch das Gebäude, erklärten die Biomasse-Heizungsanlage, die das Wohnheim mit Wärme versorgt, wie das Betreuungskonzept der Betreiber. Im Bürgertreff bewirteten am Samstag die Landfrauen die Gäste mit Kaffee und Kuchen. Auch am Sonntag war das Interesse der Besucher sehr groß: Zum Drehorgelspiel ließen sie sich Weißwürste, Maultaschen, Kaffee und Kuchen, die der Freundeskreis anbot, schmecken.
Bei allen die zum guten Gelingen beigetragen haben, bedanke ich mich auf diesem Weg sehr herzlich.
Reinhard Riesch, Bürgermeister