Traute Zweisamkeit von Schlapper und Schnogga im Schwabenalter
Zum 01. Dezember 1971, also vor nunmehr 40 Jahren, trat der Eingliederungsvertrag über den Zusammenschluss der Gemeinde Flacht mit der Gemeinde Weissach in Kraft.
Nachdem das 25-Jahr Jubiläum im Jahre 1996 mit einer großen Anzahl an Veranstaltungen sowie einer Sonderausgabe des Mitteilungsblattes begangen wurde, soll an dieser Stelle lediglich ein kurzer Rückblick über die wichtigsten Ereignisse erfolgen.
Auf landespolitischer Ebene wurden Ende der 1960er Jahre wichtige Reformen beschlossen, welche sich bis auf die kommunale Ebene auswirkten. Dazu zählte die Initiative des Innenministeriums zur Verwaltungs- und Kreisreform, weiterhin hatte in diesem speziellen Fall auch das geplante Projekt Stuttgarter Großflughafen Auswirkungen auf die hiesige Kommunalpolitik.
Nachdem mit Mitteln aus einem Finanzausgleich die Kommunen für Zusammenschlüsse aus Eigeninitiative heraus geworben wurden, kam die Diskussion über einen etwaigen Zusammenschluss sowohl in Weissach als auch in Flacht im Laufe des Jahres 1970 auf, und wurde 1971 immer konkreter: da als Frist für freiwillige Zusammenschlüsse der 31.12.1971 genannt wurde, und danach Zwangszusammenschlüsse in Aussicht gestellt wurden, bewegten sich Weissach und Flacht relativ schnell aufeinander zu und gründeten bereits Ende 1970 einen gemeinsamen Ausschuss. Im Gespräch war neben einer Einheitsgemeinde mit Eberdingen, Riet und Nußdorf auch ein Zusammengehen mit Rutesheim, welches dann neben Perouse auch Weissach und Flacht umfasst hätte. Dieser Vorschlag wurde von Rutesheimer Seite aus gemacht, aber vor allen Dingen vom Flachter Gemeinderat in seiner Sitzung vom 14. Oktober 1971 abgelehnt. Die beiden Gemeinderatsgremien arbeiteten erst in einem gemeinsamen Ausschuss, später im Gesamtgremium, verschiedene Gründe für einen Zusammenschluss aus. Diese wurden wie folgt aufgeführt und bekannt gemacht: die geographische Nähe, bessere Ansiedlungsmöglichkeiten von Industrie, ein gemeinsam organisierter Widerstand gegen den Großflughafen Stuttgart II, eine gemeinschaftliche Hauptschule, eine bereits bestehende gemeinsame Kläranlage sowie bessere Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft. Der Wahlspruch lautete dabei: „Damit`s uns morgen besser geht!“
Neben diesen von Verwaltung und Gemeinderatsgremien formulierten Zielen veröffentlichten sogar die Vereinsvorsitzenden der großen Vereine wie Artikel im Mitteilungsblatt und warben für die Eingliederung Flachts nach Weissach. Das handschriftliche Konzept zu einem Aufruf des TSV Weissach ist im Original im Gemeindearchiv verwahrt. Daneben gab es vor allem in Flacht, das seinen Eigenständigkeit bei einer Eingliederung verlieren würde (die Gründung einer „neuen“ Gemeinde war vom Regierungspräsidium nicht favorisiert), auch kritische Stimmen und Zusammenschlüsse von Bürgern gegen die Eingemeindung.

Der Weissacher Bürgermeister Hermann Kempf arbeitete zusammen mit seinem Flachter Amtskollegen Horst Wurz und unterstützt vom Gemeindetag einen Vertragsentwurf zur Eingliederung Flachts aus. Dieser wurde in den Mitteilungsblättern beider Gemeinden abgedruckt. Im Anschluss an Bürgerversammlungen in beiden Orten am 28. & 29. Oktober 1971 wurde am 14. November 1971 eine Abstimmung in Flacht abgehalten. Auf die Frage „Sind Sie mit einem Zusammenschluss der Gemeinde Flacht mit der Gemeinde Weissach einverstanden?“ antworteten 57,3 % mit „Ja“, während 42,5 % mit „Nein“ stimmten. Somit war das Votum zwar nicht allzu deutlich, die Weichen für eine Eingliederung von Flacht waren jedoch dennoch gestellt. Der Eingliederungsvertrag wurde endgültig ausgearbeitet, und nach Zustimmung durch das Regierungspräsidium am 23. November 1971 im Rahmen einer Sitzung des neuen Gesamtgemeinderates von den beiden Bürgermeistern unterzeichnet. Der Eingliederungsvertrag trat zum 01. Dezember 1971 in Kraft.
1972 wurde dann, wie im Eingliederungsvertrag festgeschrieben, auch ein Ideenwettbewerb für einen zukünftigen neuen Namen der Gesamtgemeinde ausgeschrieben, neben interessanten Kreationen wie „Weissichflacht“ führte dieser Wettbewerb jedoch nicht zu einem neuen Ortsnamen: der Gemeinderat entschied sich in geheimer Wahl für die Beibehaltung des Ortsnamen „Weissach“.

Eine komplette Bilanz über die vergangenen 40 Jahre zu ziehen wäre an dieser Stelle zu umfangreich, mit Sicherheit kann jedoch gesagt werden, daß es trotz mancher Schwierigkeit eine sehr positive Bilanz ist. Die vergangenen 40 Jahre waren von zahlreichen Veränderungen in beiden Ortsteilen im Bereich der Infrastruktur (Straßenbau, Wasser- und Abwasser), bei den Kultur-, Sozial- & Bildungseinrichtungen (Schulen, Kindergärten, Bibliothek, Gemeindearchiv, Seniorenheime) sowie bei der Erschließung neuer Wohn- und Gewerbegebiete geprägt.
Auch für die Zukunft stehen weitere wichtige und prägende Aufgaben an, für die Weissach jedoch im Verbund mit seinem Ortsteil Flacht bestens gewappnet ist.
Archivar Mathias Graner
Quellen:
Messer, Wolfgang: Rückblick auf 25 Jahre Gemeinde Zusammenschluss Weissach-Flacht. – Jubiläums-Sonderausgabe Mitteilungsblatt Weissach vom 24. April 1996, Bestand Gemeindearchiv Weissach
Gemeinderatsprotokolle von Weissach und Flacht, Bestand Gemeindearchiv Weissach
Mitteilungsblatt Weissach, Mitteilungsblatt Flacht, Bestand Gemeindearchiv Weissach
Weitere Bestände Gemeindearchiv Weissach
15.02.2012 - Weissach aktuell im PDF Format lesen oder downloaden. [mehr]